Frank Wald - 4. November 2015, 13:20 Uhr - 4x4 Allrad NEUHEITEN
Land Rover Experience 2015: Offroader im Outback
Es gibt nicht mehr viele Abenteuer-Touren auf dieser Erde. Die Land Rover Experience ist ganz sicher noch eine. Bereits seit dem Jahr 2000 führt der deutsche Importeur der britischen Offroadmarke seine Kunden in ebenso exotischen wie unzugänglichen Ecken der Erde.
Am Start sind sechs deutsche Teilnehmer, die sich in einem mehrtägigen Ausscheidungs-Marathon unter 30.000 Offroad-Fans für die Tour qualifiziert hatten, und der gerade eingeführte Land Rover Discovery Sport. Das neue Einstiegsmodell der britischen Offroad-Marke soll auf über 3.000 Kilometern Busch- und Sandpisten durchs australische Northern Territory und Westaustralien bis zum legendären Ayers Rock zeigen, dass er nicht nur Lifestyle-SUV, sondern auch ein echter Geländegänger ist - was ihm nicht immer gelingen sollte.
Los geht es auf der Gove-Halbinsel, dem nördlichsten Zipfel des australischen Northern Territory, rund 600 Kilometer östlich seiner Hauptstadt Darwin. Der Bundesstaat an der Nordküste des fünften Kontinents ist etwa viermal so groß wie Deutschland, allerdings leben dort mit rund 250.000 Einwohnern kaum mehr Menschen als in Braunschweig, fast die Hälfte allein in Darwin. Wer hier unterwegs ist, sollte also besser alles an Bord haben, weil er nur noch wenigen Menschen begegnen wird.
Das hat der Konvoi, bestehend aus 21 weiß lackierten Land Rover Discovery und Discovery Sport, jeder schwer bepackt mit zwei Ein-Personen-Zelten inklusive Matratze und Schlafsack, elektrischer Kühlbox, Funkgerät und zehn Liter Trinkwasser-Reserve. Dazu auf dem Dach verzurrt je zwei 20-Liter-Kanister Diesel, zwei Ersatzreifen sowie eine Vierer-Kette Hochleistungsscheinwerfer. Vorne weg fährt ein 20 Tonnen schwerer Service-Truck mit fast 500 PS und Dreiachs-Allradantrieb, den der umtriebige Expeditionsleiter Dag Rogge für diese Tour extra ausstatten ließ. An Bord sind ein Stromgenerator, zwei Kubikmeter-Kühlboxen, Tanks für 1.000 Liter Diesel und 800 Liter Frischwasser, Stauraum für Tische, Bänke, Gasgrill und Elektro-Backofen, WLAN-Router und sogar ein kleiner Notarzt-OP-Tisch samt Defibrillator.
Die erste Etappe geht durch das Arnhemland, das den australischen Ureinwohnern seit 1976 wieder gehört. Doch gleich zu Beginn schon die erste Kursänderung: Der Weg entlang der Küste des Golf von Carpentaria zum ersten Lagerplatz in Bawaka ist durch Sanddünen verweht. Schnell ist eine neue Route durch das Dhimurru-Reservat gefunden und nach drei Stunden Fahrt über Schotter und Sand bei 38 Grad Außentemperatur erreicht der Tross das erste Camp, direkt neben einer traumhaft schönen Halbmondbucht gelegen.
Doch Tour-Bademeister Dag erteilt absolutes Badeverbot: Es gibt hier giftige Quallen und Salzwasser-Krokodile, die nachts an Land kommen. Die lassen sich dann doch nicht blicken, dafür eine kleine Abordnung der Yolngu-Aborigines, die zum vibrierenden Oberton-Surren des Didgeridoo mit traditionellen Tänzen ums Lagerfeuer die Europäer willkommen heißen. Das kühle Bier dazu gibt es nicht. Im ganzen Arnhem-Gebiet herrscht striktes Alkoholverbot. Halb so schlimm, am nächsten Morgen soll es früh los gehen. Und "die Tage werden in Australien sehr lang", verabschiedet Dag Rogge die Teilnehmer zur ersten Zeltnacht.
Der zweite Tag führt von Cape Arnhem an den Koolatong River. 237 Kilometer querfeldein über Schotterpisten und Sandwüsten, durch schier endlose Eukalyptus-Wälder, vorbei an Trilliarden von Termiten-Türmen, die mit ihren spektakulären Bauformen die Landschaft in surreale Szenerien verwandeln. Vom "Wildlife" ist jedoch nichts zu sehen: Die Tiere hatten wohl angesichts der Offroader-Horde, die da mit Tempo und gewaltigen Staubfahnen durch den Busch preschte, Reißaus genommen.
Der Tag darauf wird zur Herausforderung für Mensch und Material. Über neun Stunden beinahe durchweg anspruchsvolle Offroad-Strecke mit plötzlich auftauchenden spitzen Steinen und tiefen Schlaglöchern, mehligen Sandkuhlen oder ausgewaschenen Rinnen. Hier kann der Discovery Sport zeigen, dass ein Land Rover in ihm steckt. Und tatsächlich, ausgerüstet mit dem neuen Ingenium-Turbodiesel mit 132 kW/180 PS absolviert der viertürige SUV die meisten Aufgaben ohne Murren, wühlt sich mit bulligen 430 Nm Drehmoment durch Buschwerk und Unterholz. Vor allem in Kombination mit der gut schaltenden Neungang-Automatik schafft er auf den Geröll- und Schotterpisten fast so was wie entspanntes Limousinen-Feeling.
Der Allradantrieb mit seinem Fahrprogramm-Schalter für wechselnde Oberflächen von Schnee, Matsch oder Sand hilft bei kniffligen Passagen. Echte Schwächen jedoch sind die fehlende Geländeuntersetzung und die gerade einmal 21 Zentimeter Bodenfreiheit, wie der beständig klimpernde Unterboden hörbar vermeldet. So ist es nur eine Frage der Zeit bis die ersten Tourteilnehmer mit ihren "Sportys" aufsetzen und in den Buddelkisten-Passagen stecken bleiben. Nicht selten muss dann der große Bruder Discovery kommen und den sportlichen Nachwuchs aus dem Schlamassel ziehen. Doch mit Einbruch der Dämmerung erreichen alle den eigens für die Expedition geschaffenen Campground in Miwul.
Bis auf den Service-Truck, der an diesem Tag erfahren muss, dass mit Bodenfreiheit allein auch nicht weiter zu kommen ist. Von Anfang an gerät der vier Meter hohe Brummi ob seines hohen Schwerpunkts in den tief ausgewaschenen Rinnen und Stufen immer wieder in bedrohliche Schräglage. Hilft alles nichts, die Kettensäge muss her und eine neue Schneise geschlagen werden. Rund 50 Bäume sollen am Ende dem neuen Kurs zum Opfer fallen. Das hält auf, mehr als 15 Stunden braucht der Lkw und schafft es doch nicht ganz ins Strandcamp. Zehn Kilometer vor dem Ziel schlägt das erschöpfte Truck-Team mitten in der Nacht das Lager in der Wildnis auf. Im Camp bleibt an diesem Abend die Küche kalt.
Am nächsten Morgen, nach einem fröhlichen Hallo für die tapferen Trucker und dem ebenso willkommenen Frühstück, schwört Dag die Teilnehmer auf die nächste Herausforderung ein: "Road Trains". Denn die Route führt nun raus aus dem Busch, auf das, was Australier Highway nennen: schnurstracks in den Horizont laufende rote Schotterpisten. Und tatsächlich rollt schon nach wenigen Kilometer einer dieser Monster-Trucks wie eine stampfende Büffelherde heran. Über 50 Meter lang, mehr als 140 Tonnen schwer und mindestens 500 PS stark wirbelt so ein Ungetüm meist mit vier Anhängern bestückt wie ein fauchender Tornado heran und taucht die Umgebung in Finsternis. Da hilft nur eins: links ran fahren und warten bis der Spuk vorbei ist - möglichst mit geschlossenen Fenstern.
Doch schon bald hört die Schotterpiste auf, Asphalt rauscht unter den Rädern, die Sicht wird klar, Fahrbahnmarkierungen und Begrenzungspfähle sind zu erkennen. Auf dem Stuart Highway rückt Katherine, mit knapp 6.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt im Northern Territory, näher. Die Zivilisation hat uns wieder. Für alle reiselustigen Offroadfans, die diese Abenteurtour am Steuer des neuen Discovery Sports selbst erleben möchten, bietet Land Rover im Frühjahr 2016 insgesamt vier neuntägige Australienreisen an. Buchbar unter landrover-experience.de, info@landrover-experience.de oder 02058-7780967.
Frank Wald
Dieser Artikel aus der Kategorie 4x4 Allrad Auto NEUHEITEN wurde von Frank Wald am 04.11.2015, 13:20 Uhr veröffentlicht.
